Veröffentlicht am 20. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit
Ordertypen erklärt: Market, Limit, Stop und OCO am Beispiel NQ
Wann jede Order ausgeführt wird, was sie dich kosten kann und wie sie im Future aussieht: von der Marktorder über Stop-Limit und OCO bis zur Gültigkeit. Mit Vergleichstabelle und den drei typischen Fehlern.
Ordertypen legen fest, zu welchem Preis und unter welcher Bedingung dein Auftrag ausgeführt wird. Die Marktorder wird sofort ausgeführt, beim Kauf zum Ask und beim Verkauf zum Bid. Die Limit-Order garantiert den Preis, aber nicht die Ausführung. Stop-Orders werden erst bei einem Auslösekurs aktiv. Dazu kommen Stop-Limit, OCO und Bracket, der Trailing Stop und die Gültigkeit. Hier jeder Typ mit Beispiel im NQ-Future, dazu eine Vergleichstabelle.
Kurz gesagt
- Marktorder: Ausführung so gut wie sicher, Preis nicht. Limit-Order: Preis sicher, Ausführung nicht.
- Stop-Orders schützen, rutschen in schnellen Märkten aber durch. Eine Stop-Limit-Order kann ganz ausbleiben.
- Eine Bracket-Order setzt Einstieg, Stop und Ziel auf einmal und schützt vor vergessenen Stops.
- Prüf die Gültigkeit: Eine vergessene GTC-Order kann Tage später eine Position eröffnen.
Bid, Ask und Spread: warum jede Marktorder etwas kostet
Im Orderbuch stehen zwei Seiten. Der Bid ist der höchste Preis, zu dem gerade jemand kaufen will. Der Ask ist der niedrigste Preis, zu dem jemand verkaufen will. Die Differenz ist der Spread.
Ein Beispiel im NQ: Bid 20.250,00, Ask 20.250,25. Der Spread beträgt 1 Tick, also 0,25 Punkte oder 5 Dollar pro Kontrakt. Kaufst du mit einer Marktorder, bekommst du 20.250,25. Verkaufst du sofort wieder, bekommst du 20.250,00. Ohne dass sich der Markt bewegt hat, fehlen dir 5 Dollar plus Kommission. Im MNQ sind es 0,50 Dollar pro Tick.
Dazu kommt die Tiefe. Willst du 10 MNQ kaufen, aber am Ask liegen nur 4 Kontrakte, bekommst du die restlichen 6 eine Stufe höher bei 20.250,50. Dein Durchschnittspreis liegt bei 20.250,40. Wie groß Tick, Punktwert und typischer Spread beim Nasdaq-Future sind, steht im Ratgeber Was ist der Nasdaq-NQ-Future.
Was ist der Unterschied zwischen Limit-Order und Market-Order?
Marktorder (Market Order)
Ausführung: sofort, zum besten verfügbaren Preis. Risiko: Slippage, also ein schlechterer Preis als angezeigt. In ruhigen Phasen ist das meist ein Tick oder gar keiner. Bei Nachrichten dünnt das Orderbuch aus und der Spread springt auf. Ein Beispiel: Um 14:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit erscheint der US-Arbeitsmarktbericht. Du kaufst 2 NQ zum angezeigten Ask von 20.250,25 und bekommst im Schnitt 20.251,75. Das sind 6 Ticks Slippage, also 2 × 6 × 5 = 60 Dollar, bevor der Trade überhaupt begonnen hat.
Limit-Order
Ausführung: nur zu deinem Limit oder besser. Ein Kauflimit liegt am oder unter dem aktuellen Kurs, ein Verkaufslimit am oder über ihm. Risiko: keine Ausführung, oder nur eine teilweise. Bei vielen Futures gilt Preis-Zeit-Priorität: Wer zuerst am Preis lag, wird zuerst bedient. Ein Beispiel: Du legst ein Kauflimit für 2 NQ bei 20.240,00. Der Kurs berührt 20.240,00 zweimal und dreht nach oben auf 20.270,00. Deine Order wurde nicht ausgeführt, weil die Warteschlange vor dir nicht abgearbeitet war. Verpasst: 30 Punkte, also 1.200 Dollar auf 2 Kontrakte. Sicher ausgeführt bist du erst, wenn der Markt durch dein Limit handelt, hier bei 20.239,75.
Die Faustregel: Marktorder, wenn du unbedingt rein oder raus musst. Limit-Order, wenn dir der Preis wichtiger ist als die Ausführung.

Stop-Order und Stop-Limit-Order erklärt
Stop-Order (Stop-Market)
Ausführung: Die Order ruht, bis der Kurs den Stop-Preis erreicht. Dann wird sie zur Marktorder. Bei deutschen Brokern heißt sie zum Kauf oft Stop-Buy, zum Verkauf Stop-Loss. Sie dient als Schutzstop oder als Einstieg bei einem Ausbruch über ein Hoch. Risiko: Slippage. Ein Beispiel: Long 1 NQ bei 20.300,00, Verkaufsstop bei 20.285,00, geplantes Risiko 15 Punkte = 300 Dollar. Im Normalfall wirst du bei 20.285,00 oder 20.284,75 ausgeführt. Springt der Kurs nach einer Nachricht von 20.290,00 direkt auf 20.270,00, wirst du dort ausgeführt: 30 Punkte, also 600 Dollar Verlust statt 300. Die US-Brokeraufsicht FINRA hat 2016 nach heftigen Marktbewegungen eigens auf dieses Risiko hingewiesen.
Stop-Limit-Order
Ausführung: zwei Preise, ein Stop als Auslöser und ein Limit als schlechtester akzeptierter Preis. Nach der Auslösung wird sie zur Limit-Order. Risiko: keine Ausführung. Gleiches Beispiel, Stop 20.285,00, Limit 20.283,00. Springt der Kurs auf 20.270,00, liegt er unter deinem Limit, und nichts passiert. Fällt er weiter auf 20.250,00, stehen 50 Punkte, also 1.000 Dollar offener Verlust, und die Position ist weiter offen.
Als Schutzstop ist die Stop-Limit-Order deshalb riskant. Sinnvoll ist sie beim Einstieg, wenn du einem Ausbruch nicht hinterherlaufen willst: Kauf-Stop bei 20.350,00, Limit bei 20.352,00. Mehr als 8 Ticks über dem Auslöser kaufst du nicht.
OCO-Order, Bracket und Trailing Stop
OCO und Bracket
OCO steht für One Cancels the Other: zwei verknüpfte Orders, und sobald eine ausgeführt wird, wird die andere gelöscht. Eine Bracket-Order hängt ein solches Paar aus Stop und Ziel an den Einstieg. Ein Beispiel: Kauflimit bei 20.240,00, Stop bei 20.228,00 (12 Punkte = 240 Dollar), Ziel bei 20.264,00 (24 Punkte = 480 Dollar). Das ergibt ein Chance-Risiko-Verhältnis von 2. Wird das Ziel erreicht, verschwindet der Stop automatisch.
Risiko: Fehler bei der Verknüpfung. Änderst du eine Seite von Hand oder schließt die Position über einen anderen Weg, kann eine Order allein im Markt zurückbleiben. Prüf nach jedem manuellen Eingriff, ob noch Orders offen sind.
Trailing Stop
Ausführung: Der Stop folgt dem Kurs in festem Abstand, aber nur in deine Richtung. Ein Beispiel: Long bei 20.300,00, Trailing-Abstand 10 Punkte. Steigt der Kurs auf 20.330,00, liegt der Stop bei 20.320,00. Fällt der Kurs danach, bleibt der Stop stehen, und du bist mit 20 Punkten, also 400 Dollar Gewinn draußen. Risiko: Der feste Abstand ignoriert die Struktur. In nervösen Phasen wirft dich ein enger Trailing Stop beim ersten normalen Rücksetzer raus. Bei manchen Plattformen wird er zudem lokal auf deinem Rechner verwaltet. Ist die Verbindung weg, zieht er nicht mehr nach. Frag deinen Broker, ob er den Trailing Stop serverseitig führt.
Gültigkeit: Tagesorder, GTC und Co.
- Tagesorder (Day): verfällt am Ende der Handelssitzung. Für Daytrader die sichere Standardwahl.
- Gültig bis auf Widerruf (GTC): bleibt aktiv, bis sie ausgeführt oder gelöscht wird. Manche Broker begrenzen die Laufzeit trotzdem.
- Gültig bis Datum (GTD): verfällt an einem Tag, den du wählst. Bei deutschen Aktienbrokern gibt es oft auch „Ultimo“, gültig bis Monatsende.
Eine Besonderheit bei Futures: Eine Order gilt für einen bestimmten Kontraktmonat. Der NQ läuft in Quartalskontrakten für März, Juni, September und Dezember. Eine GTC-Order auf den auslaufenden Kontrakt wandert beim Rollen nicht automatisch in den nächsten.
Ordertypen im Vergleich
| Ordertyp | Wird ausgeführt | Hauptrisiko | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Marktorder | Sofort zum besten Preis: Kauf zum Ask, Verkauf zum Bid | Slippage, vor allem bei Nachrichten | Schneller Ein- oder Ausstieg |
| Limit-Order | Nur zum Limit oder besser | Keine oder teilweise Ausführung | Einstieg an einem geplanten Niveau, Gewinnziel |
| Stop-Order | Bei Erreichen des Stop-Preises als Marktorder | Slippage bei Sprüngen | Schutzstop, Ausbruchseinstieg |
| Stop-Limit | Bei Erreichen des Stops als Limit-Order | Keine Ausführung bei Sprüngen | Ausbruchseinstieg mit Preisgrenze |
| OCO und Bracket | Erste ausgeführte Order löscht die andere | Verwaiste Orders nach Eingriffen | Stop und Ziel automatisch verwalten |
| Trailing Stop | Wie Stop-Order, Stop folgt dem Kurs | Zu eng, oder lokal verwaltet | Gewinne in Trends absichern |
Ein guter Simulator sollte diese Unterschiede abbilden, vor allem Bid und Ask statt Ausführung zum letzten Kurs. Worauf du bei der Auswahl achten solltest, zeigt der Ratgeber Trading-Simulator: was er haben muss.
Drei Order-Fehler, die Anfänger machen
- Marktorder in die Nachricht. Wer um 14:30 Uhr beim Arbeitsmarktbericht per Marktorder einsteigt, zahlt oft mehrere Ticks Slippage und dazu einen weiten Spread. Bei engen Stops kann das schon einen großen Teil des Risikos ausmachen. Bei Scalping-Ansätzen frisst es die Rechnung ganz, wie der Ratgeber Was ist Scalping vorrechnet.
- Stop-Limit als Schutzstop. Sie sieht nach Kontrolle aus, lässt dich bei einem Kurssprung aber ohne Schutz im Markt. Für den Notausgang ist die Stop-Market-Order die robustere Wahl.
- Verwaiste Orders. Du schließt einen Long über 1 NQ von Hand bei 20.310,00, aber der Verkaufsstop bei 20.285,00 bleibt liegen. Am Nachmittag fällt der Kurs dorthin, der Stop wird ausgelöst, und du bist plötzlich short. Steigt der Kurs danach 20 Punkte, verlierst du 400 Dollar auf einen Trade, den du nie wolltest. Nach jedem Schließen gilt: Orderliste prüfen.
Spread und Slippage versteht man am schnellsten im Klick. In BullHero kaufst du zum Ask, verkaufst zum Bid und zahlst Kommission auf jeden Trade. Beobachte, wie sich dein Durchschnittspreis mit jedem Klick verschiebt und was zu viele Klicks am Rundenende kosten.
Ausführung übenHäufige Fragen
Was ist eine Stop-Buy-Order?
Eine Kauforder, die erst aktiv wird, wenn der Kurs einen Stop-Preis über dem aktuellen Kurs erreicht. Dann wird sie zur Marktorder. Sie wird genutzt, um bei einem Ausbruch über ein Hoch einzusteigen oder eine Short-Position abzusichern. Ihr Gegenstück zum Verkaufen heißt bei deutschen Brokern Stop-Loss. Willst du einen Höchstpreis festlegen, wählst du die Variante Stop-Buy-Limit.
Was passiert mit offenen Orders am Wochenende?
Tagesorders verfallen mit dem Ende der Sitzung. GTC-Orders bleiben liegen und können bei der Wiedereröffnung ausgelöst werden. Die Index-Futures der CME pausieren von Freitagabend bis Sonntagabend New Yorker Zeit. Öffnet der Markt mit einer Kurslücke, werden Stop-Orders zum ersten verfügbaren Kurs ausgeführt, der weit von deinem Stop entfernt liegen kann.
Kann eine Limit-Order nur teilweise ausgeführt werden?
Ja. Liegen an deinem Preis weniger Kontrakte bereit, als du handeln willst, bekommst du nur einen Teil. Der Rest bleibt als offene Order liegen, bis der Markt zurückkommt oder du ihn löschst. Prüf bei Bracket-Orders, ob deine Plattform Stop und Ziel automatisch an die tatsächlich ausgeführte Menge anpasst. Sonst stimmt die Größe deines Schutzes nicht.
BullHero ist ein Spiel mit Spielgeld und Kursen aus einem mathematischen Modell, kein Broker und kein Zugang zum echten Orderbuch. Dieser Artikel dient der Bildung und ist keine Anlageberatung.
Quellen
- FINRA, Regulatory Notice 16-19: Guidance Regarding Stop Orders During Volatile Market Conditions, 2016
- CME Group, Micro E-mini Nasdaq-100 Futures: Contract Specifications, 2019
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