Veröffentlicht am 27. Oktober 2026 · 10 Min. Lesezeit

Tradingplan erstellen: sechs Bausteine und ein fertiges MNQ-Beispiel

Was in einen Tradingplan gehört, wie ein ausgefüllter Plan für einen Intraday-Trader im NQ und MNQ aussieht, wie du ihn ohne Geld testest und ab wie vielen Trades du ihn ändern darfst.

Tradingplan erstellen: dunkelblaues Cover mit goldenem Titel und BullHero zwischen zwei Runden, mit Rangliste der Trader und Ansage von Runde 2

Einen Tradingplan erstellen heißt, sechs Dinge schriftlich festzulegen, bevor du die erste Order schickst: Ziele und Grenzen, Markt und Handelszeit, Setups mit Ein- und Ausstiegsregeln, Risiko pro Trade samt Tagesverlustlimit, eine feste Routine und den Review. Jede Regel muss so klar sein, dass du nach dem Trade mit Ja oder Nein sagen kannst, ob du sie eingehalten hast. Unten findest du alle sechs Bausteine und einen ausgefüllten Plan für den MNQ.

Kurz gesagt

  • Ein guter Tradingplan passt auf zwei Seiten. Was du am Bildschirm nicht in zehn Sekunden findest, gehört nicht hinein.
  • Jede Regel muss prüfbar sein: „Stop 2 Ticks unter dem letzten Tief“ ja, „diszipliniert bleiben“ nein.
  • Das Risiko steht vor dem Setup: erst Verlust pro Trade und Tageslimit, dann die Einstiege.
  • Ändere den Plan frühestens nach 30 bis 50 Trades pro Setup, und immer nur eine Regel auf einmal.

Was gehört in einen Tradingplan?

Ein Tradingplan ist dein Regelwerk für den Handelstag. Er entscheidet am Abend vorher, damit du um 15:30 Uhr nicht improvisierst. Sechs Bausteine, jeder beantwortet eine Frage:

  • Ziele und Grenzen: Woran misst du einen guten Monat, und ab welchem Verlust hörst du auf?
  • Markt und Session: Was handelst du, und in welchem Zeitfenster?
  • Setups: Welche Situation, welcher Auslöser, wo liegen Stop und Ziel?
  • Risiko: Wie viel Dollar pro Trade, wie viel pro Tag?
  • Routine: Was tust du vor, während und nach der Session?
  • Review: Wann prüfst du die Zahlen, und was darf sich dann ändern?

Der Prüfstein für jede Zeile: Könnte ein Fremder anhand deines Charts entscheiden, ob du sie befolgt hast? „Nur mit dem Trend handeln“ besteht diesen Test nicht. „Long nur, wenn der Kurs über dem VWAP liegt und das letzte Tief höher ist als das vorletzte“ besteht ihn.

Tradingplan erstellen: die sechs Bausteine im Detail

1. Ziele und Grenzen

Geldziele wie „500 Dollar pro Woche“ kannst du nicht steuern. Schreib Prozessziele, die nur von dir abhängen: Stop bei jedem Trade sofort gesetzt, höchstens vier Trades pro Tag, kein Einstieg außerhalb des Zeitfensters.

Dazu kommt eine harte Grenze für das ganze Konto. Fällt es 10 % unter den Startwert, pausierst du den Live-Handel und gehst zwei Wochen zurück in den Simulator. Diese Zahl steht im Plan, bevor der Verlust passiert. Hinterher verhandelst du nur noch mit dir selbst.

2. Markt und Session

Ein Markt, ein Zeitfenster. Wer morgens den DAX, mittags Gold und abends den Nasdaq handelt, sammelt nie genug gleichartige Trades, um etwas zu messen. Für NQ und MNQ ist das klassische Fenster die Eröffnung der Wall Street um 9:30 Uhr New Yorker Zeit, also 15:30 Uhr in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In den Wochen, in denen die USA und Europa die Uhren an unterschiedlichen Sonntagen umstellen, ist es eine Stunde früher.

Notiere auch, wann du nicht handelst. Einige US-Daten erscheinen um 10:00 Uhr New Yorker Zeit, also um 16:00 Uhr, mitten in deinem Fenster. Typische Regel: kein neuer Einstieg drei Minuten davor.

3. Setups mit Ein- und Ausstiegsregeln

Am Anfang höchstens zwei Setups. Jedes bekommt sechs Zeilen:

  • Kontext: Wann darf das Setup überhaupt gelten (Trend, Range, Uhrzeit)?
  • Auslöser: Welche Kerze oder welcher Preis löst den Einstieg aus?
  • Einstieg: Limit- oder Market-Order, zu welchem Preis?
  • Stop: Wo genau, in Ticks oder relativ zu einem Hoch oder Tief?
  • Ziel: festes CRV, nächstes Niveau oder Teilausstieg?
  • Ungültig: Was hebt das Setup auf, bevor du drin bist?

Die letzte Zeile vergessen die meisten. Ohne sie wartest du auf einen Rücksetzer, der nie kommt, und kaufst dann trotzdem, zehn Punkte höher.

4. Risiko pro Trade und Tagesverlustlimit

Hier entsteht die Positionsgröße: Kontrakte = Risiko in Dollar ÷ (Stop in Punkten × Punktwert).

Beispiel: Konto 5.000 Dollar, Risiko 1 % = 50 Dollar, Stop 10 Punkte im MNQ (2 Dollar pro Punkt). 50 ÷ (10 × 2) = 2,5, also 2 Kontrakte und 40 Dollar Risiko. Derselbe Stop im NQ (20 Dollar pro Punkt) kostet 200 Dollar pro Kontrakt, das sind 4 % des Kontos. Für dieses Konto ist der NQ bei diesem Stop schlicht zu groß.

Das Tagesverlustlimit verhindert, dass aus einem schlechten Tag eine schlechte Woche wird. Üblich sind 2R bis 3R oder zwei Verlusttrades in Folge, je nachdem, was zuerst eintritt. Wer das Limit erreicht, schließt die Plattform. Nicht „noch einer“. Mehr dazu im Risikomanagement für Anfänger.

5. Routine

  • Vorher (15:00 bis 15:25 Uhr): Wirtschaftskalender prüfen, Vortageshoch und -tief sowie Hoch und Tief der Nacht markieren, die zwei Setups einmal lesen.
  • Während: nach jedem Trade 30 Sekunden Pause, Ergebnis in R notieren, Tageslimit prüfen.
  • Danach (10 Minuten): Screenshots, Journal, eine Lektion in einem Satz.

6. Review

Einmal pro Woche, immer am selben Tag, 30 Minuten. Pro Setup rechnest du: Anzahl Trades, Trefferquote, durchschnittlicher Gewinn und Verlust in R, Erwartungswert und den Anteil regelkonformer Trades. Ob sich etwas ändert, entscheidet der Review, nie der laufende Handelstag.

Tradingplan Beispiel: ein ausgefüllter Plan für NQ und MNQ

So sieht ein kompletter Plan für einen Intraday-Trader mit 5.000 Dollar Konto aus. Die Zahlen sind ein Beispiel, keine Empfehlung.

BausteinRegel im BeispielplanPrüffrage am Abend
ZieleStop bei jedem Trade sofort; höchstens 4 Trades pro TagGab es einen Trade ohne Stop?
KontogrenzeBei 4.500 Dollar (minus 10 %) zwei Wochen nur SimulatorWie weit bin ich von 4.500 entfernt?
Markt und ZeitMNQ, Front-Monat, 15:30 bis 17:00 Uhr; kein Einstieg 3 Minuten vor Daten um 16:00 UhrGab es Trades außerhalb des Fensters?
Setup A: Rücksetzer im TrendKurs über VWAP, höhere Hochs und Tiefs; Limit am letzten Ausbruchsniveau; Stop 2 Ticks unter dem letzten Swingtief, maximal 15 Punkte; Ziel 2RWar der Trend vor dem Einstieg sichtbar?
Setup B: Fehlausbruch am VortageshochKurs sticht über das Hoch, die 1-Minuten-Kerze schließt wieder darunter; Short unter dem Tief dieser Kerze; Stop 2 Ticks über dem Docht; Ziel VWAP, nur wenn mindestens 1,5R entferntSchloss die Kerze wirklich unter dem Niveau?
Risiko pro Trade50 Dollar; Kontrakte = 50 ÷ (Stop in Punkten × 2), immer abgerundetPasste die Größe zur Formel?
TageslimitMinus 100 Dollar (2R) oder zwei Verluste in FolgeHabe ich nach dem Limit weitergehandelt?
ReviewTäglich 10 Minuten Journal, freitags 30 Minuten Statistik pro SetupIst jeder Trade im Journal?

Zwei Rechnungen aus diesem Plan: Setup A mit 12 Punkten Stop ergibt 50 ÷ 24 = 2,08, also 2 MNQ und 48 Dollar Risiko. Mit 15 Punkten Stop sind es 50 ÷ 30 = 1,67, also 1 MNQ und 30 Dollar Risiko. Abgerundet wird immer. Wer bei 15 Punkten auf 2 MNQ aufrundet, riskiert 60 Dollar und reißt das Tageslimit schon mit zwei Verlusten.

Wie testest du einen Tradingplan, bevor echtes Geld fließt?

Zwei getrennte Fragen: Hat das Setup einen Vorteil, und kannst du es unter Zeitdruck ausführen? Vier Stufen, in dieser Reihenfolge:

  1. Replay auf historischen Daten. Spiel 30 bis 50 Handelstage im Bar Replay ab, markiere jedes Signal deiner Regeln, ohne nach rechts zu schauen, und notiere das Ergebnis in R. Zögerst du, ob eine Regel erfüllt war, formulierst du sie neu.
  2. Ausführung unter Zeitdruck. Jetzt wird nicht das Setup getestet, sondern du: Stop sofort gesetzt, Tageslimit eingehalten? Ziel: 50 Trades in einem Simulator, der zum Ask kauft, zum Bid verkauft und Kommission abzieht.
  3. Demokonto mit realer Größe. Der Kontostand der Demo entspricht deiner geplanten Einzahlung: 5.000 Dollar, nicht 100.000. Zwei bis vier Wochen im echten Zeitfenster.
  4. Live mit Minimalgröße. 1 MNQ, 20 Trades, dieselben Regeln. Erst danach gilt die volle Größe nach Formel.

Das Kriterium für die nächste Stufe ist Regeltreue, nicht Gewinn: mindestens 90 % der Trades nach Plan. Wer schon in Stufe 2 das Tageslimit reißt, reißt es live erst recht. Warum, erklärt Trading-Psychologie: warum du live scheiterst und in der Demo nicht.

BullHero-Startbildschirm mit Logo, Fortschrittsbalken auf Level 12 und den drei Spielmodi Turnier, Übung und Kampagne
Übung und Turnier passen zu Stufe 2: erst die Regeln ohne Gegner, dann mit Zeitdruck und einer Verlustgrenze, die dich aus der Runde nimmt.

Für Stufe 2 eignet sich BullHero, für Stufe 1 nicht: Die Kurse stammen aus einem Modell, das den NQ zur New Yorker Eröffnung nachbildet, die Statistik deines Setups gehört also auf echte historische Daten. Die Ausführung trainierst du dort gut, denn die Runde endet nach zweieinhalb bis drei Minuten, und im Raum ROOKIE wirft dich die Verlustgrenze bei 1.000 Dollar Spielgeld raus, ob du willst oder nicht.

Stufe 2 testet dich, nicht dein Setup. Schreib vor jedem BullHero-Turnier zwei Regeln aus deinem Plan auf, etwa Stop sofort und höchstens drei Trades pro Runde, und zähle danach, wie oft du sie gebrochen hast.

Plan im Turnier testen

Wann du den Tradingplan ändern darfst: eine Frage der Stichprobe

Nach drei Verlusten in Folge fühlt sich jedes Setup kaputt an. Die Rechnung sagt etwas anderes: Bei einer Trefferquote von 45 % liegt die Wahrscheinlichkeit, in 100 Trades mindestens einmal fünf Verluste hintereinander zu erleben, bei rund 92 %. Eine solche Serie ist kein Defekt, sondern normal.

Auch die Trefferquote selbst schwankt stark. Bei 20 Trades liegt die Standardabweichung der gemessenen Quote bei etwa 11 Prozentpunkten, bei 100 Trades bei etwa 5. Ein Setup mit echten 45 % kann nach 20 Trades leicht wie 34 % oder 56 % aussehen. Faustregel: erstes Urteil nach 30 bis 50 Trades pro Setup, ein belastbares nach 100.

Wochenreview, Setup B nach 40 Trades: 18 Gewinner (45 %) mit durchschnittlich 1,6R, 22 Verlierer mit 1R. Erwartungswert: 0,45 × 1,6 − 0,55 × 1 = 0,72 − 0,55 = +0,17R pro Trade. Regeltreue 85 %. Entscheidung: Setup bleibt, die sechs regelwidrigen Trades werden einzeln angeschaut.

  • Nur im Review ändern, nie während der Session.
  • Immer nur eine Regel auf einmal, sonst weißt du nicht, was gewirkt hat.
  • Erst die Regeltreue prüfen. Liegt sie unter 80 %, misst du deine Disziplin, nicht das Setup.
  • Nach jeder Änderung beginnt die Stichprobe wieder bei null.
  • Ausnahme Risiko: Ein Fehler bei Größe oder Tageslimit wird sofort korrigiert, nicht erst nach 50 Trades.

Tradingplan und Trading-Tagebuch: wer was erledigt

Plan und Journal werden oft verwechselt, dabei blicken sie in verschiedene Richtungen.

  • Der Plan sagt, was du tun wirst. Er wird vorher geschrieben und ändert sich höchstens einmal pro Woche.
  • Das Journal hält fest, was du getan hast: Uhrzeit, Setup A oder B, Einstieg, Stop, Ausstieg, Ergebnis in R, Regel eingehalten ja oder nein, ein Satz zu deinem Zustand.
  • Der Review legt beides nebeneinander und entscheidet, ob der Plan korrigiert wird oder du.

Ohne Journal lässt sich kein Plan prüfen, ohne Plan ist das Journal eine Sammlung von Zufällen. Das wichtigste Feld ist „Regel eingehalten“. Wie du das Journal aufbaust, zeigt der Artikel zum Trading-Tagebuch. Fehlen dir noch Grundlagen wie Ordertypen oder Tickwerte, kommen sie vor dem Plan: Trading lernen von null in der richtigen Reihenfolge.

Häufige Fragen

Wie lang sollte ein Tradingplan sein?

Ein bis zwei Seiten reichen für die meisten Intraday-Trader. Der Plan muss während der Session in Sekunden lesbar sein, Erklärungen und Theorie gehören in ein separates Dokument. Zehn Seiten mit fünf Setups werden am Bildschirm ignoriert. Kürze, bis jede Zeile eine prüfbare Regel ist.

Gibt es eine Tradingplan Vorlage zum Ausfüllen?

Die Tabelle oben ist eine brauchbare Vorlage: acht Zeilen, jede mit Regel und Prüffrage. Übernimm die Struktur, nicht die Zahlen. Risiko pro Trade, Tageslimit und Stopweite hängen von deinem Konto, deinem Markt und deinem Zeitfenster ab. Eine Vorlage, die du nicht selbst durchgerechnet hast, ist nicht dein Plan.

Brauche ich auch für Swing-Trading einen Tradingplan?

Ja, die sechs Bausteine bleiben, nur die Inhalte ändern sich. Statt eines Tageslimits brauchst du eine Grenze für das gesamte offene Risiko aller Positionen, und die Routine findet abends statt. Dazu kommen Regeln für Kurslücken über Nacht und am Wochenende, die ein Stop nicht zum gewünschten Preis absichert.

Was tun, wenn ich meinen Tradingplan breche?

Erst aufhören, dann notieren. Bei einem Bruch der Risikoregeln endet die Session sofort, unabhängig vom Ergebnis. Ins Journal kommt, welche Regel, in welcher Situation und mit welchem Gedanken. Wiederholt sich derselbe Bruch dreimal, ist die Regel unklar formuliert, oder du brauchst eine technische Sperre wie ein Verlustlimit in der Plattform.

BullHero ist ein Spiel mit Spielgeld, dessen Kurse aus einem mathematischen Modell stammen; es ist kein Broker und bietet keinen Zugang zu echten Märkten. Dieser Artikel dient der Bildung und ist keine Anlageberatung.

Quellen

  • Brett N. Steenbarger, The Daily Trading Coach: 101 Lessons for Becoming Your Own Trading Psychologist, 2009
  • SEC, Day Trading: Your Dollars at Risk, 2005
  • CME Group, Micro E-mini Nasdaq-100 Futures: Contract Specifications, 2019
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