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Veröffentlicht am 16. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Chance-Risiko-Verhältnis: welches CRV zu deiner Trefferquote passt

Die Formel für den Erwartungswert, eine Tabelle mit der nötigen Trefferquote für jedes CRV, ein Rechenbeispiel mit Spread und Kommission in Ticks und der Weg zu deinem echten CRV aus dem Tagebuch.

Chance-Risiko-Verhältnis: dunkelblaues Cover mit goldener Schrift und BullHero-Chart mit Unterstützung, Widerstand, VWAP-Bändern und STOPS-Zonen

Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) teilt den möglichen Gewinn eines Trades durch das Risiko bis zum Stop: 20 Punkte Ziel bei 10 Punkten Stop ergeben ein CRV von 2. Allein sagt diese Zahl wenig. Erst mit der Trefferquote ergibt sich der Erwartungswert, und erst nach Spread und Kommission weißt du, ob ein Ansatz Geld verdient. Hier findest du die Formel, eine Tabelle der nötigen Trefferquoten und ein Rechenbeispiel in Ticks.

Kurz gesagt

  • Nötige Trefferquote = 1 ÷ (1 + CRV). CRV 1 braucht 50 Prozent, CRV 2 braucht 33,3 Prozent, CRV 3 braucht 25 Prozent, jeweils vor Kosten.
  • Kosten wirken wie ein schlechteres CRV. Bei engen Stops heben 2 Ticks Kosten die nötige Trefferquote um mehrere Prozentpunkte.
  • Ein höheres CRV bringt eine niedrigere Trefferquote, längere Haltedauer und längere Verlustserien mit.
  • Dein echtes CRV steht im Tagebuch, nicht im Plan.

Was ist das Chance-Risiko-Verhältnis?

Ein Beispiel im NQ: Du kaufst bei 20.300,00, der Stop liegt bei 20.290,00, das Ziel bei 20.320,00. Das Risiko beträgt 10 Punkte oder 40 Ticks, also 200 Dollar pro Kontrakt. Die Chance beträgt 20 Punkte oder 80 Ticks, also 400 Dollar. CRV = 400 ÷ 200 = 2.

Zur Schreibweise: Im deutschsprachigen Raum steht meist die Chance vorn, also „CRV 2:1“ oder einfach „CRV 2“. In englischen Quellen heißt dasselbe oft Risk-Reward-Ratio und wird umgekehrt geschrieben, als 1:2. Gemeint ist in beiden Fällen: Das Ziel ist doppelt so weit entfernt wie der Stop. In diesem Artikel steht immer die Chance vorn.

Wichtig ist, was das CRV nicht sagt: wie wahrscheinlich es ist, dass das Ziel vor dem Stop erreicht wird. Ein CRV von 5 klingt großartig, bis du merkst, dass das Ziel nur bei jedem zehnten Trade kommt.

Erwartungswert im Trading: die Formel, die CRV und Trefferquote verbindet

Der Erwartungswert sagt, was ein Trade im Durchschnitt bringt. In R gerechnet, also in Vielfachen deines Risikos, ist die Formel kurz:

Erwartungswert = Trefferquote × CRV - Verlustquote × 1

Drei Beispiele, jeweils vor Kosten:

  • 40 Prozent Treffer, CRV 2: 0,4 × 2 - 0,6 × 1 = +0,2 R pro Trade. Über 100 Trades sind das 20 R. Bei 50 Dollar Risiko pro Trade wären es 1.000 Dollar.
  • 60 Prozent Treffer, CRV 0,8: 0,6 × 0,8 - 0,4 × 1 = +0,08 R. Positiv trotz CRV unter 1, aber mit wenig Spielraum für Kosten.
  • 30 Prozent Treffer, CRV 2: 0,3 × 2 - 0,7 × 1 = -0,1 R. Gleiches CRV wie im ersten Beispiel, aber auf Dauer ein Verlustgeschäft.

Die Lehre: Weder Trefferquote noch CRV allein entscheiden. Nur ihre Kombination. Wie du das Risiko pro Trade, also dein 1 R, festlegst, erklärt der Ratgeber Risikomanagement für Anfänger.

CRV und Trefferquote: die Tabelle für den Break-even

Die nötige Trefferquote, um vor Kosten bei null zu landen, ist 1 ÷ (1 + CRV). Die letzte Spalte zeigt, was bei einer festen Trefferquote von 40 Prozent herauskäme.

CRV (Chance:Risiko)Englisch (Risk:Reward)Nötige TrefferquoteErwartungswert bei 40 % Treffern
0,5:11:0,566,7 %-0,40 R
1:11:150,0 %-0,20 R
1,5:11:1,540,0 %0,00 R
2:11:233,3 %+0,20 R
3:11:325,0 %+0,60 R
4:11:420,0 %+1,00 R

Die letzte Spalte ist bewusst theoretisch. In der Praxis bleibt die Trefferquote nicht bei 40 Prozent, wenn du das Ziel weiter weg legst. Sie fällt. Warum, folgt zwei Abschnitte weiter.

Wie Spread und Kommission die Rechnung verschieben

Die Tabelle gilt vor Kosten. Im echten Handel zahlst du auf jeden Trade Spread und Kommission, beim Gewinner wie beim Verlierer. Nimm an: 1 Tick Spread beim Einstieg mit Marktorder und 5 Dollar Kommission und Gebühren pro Round Turn, im NQ also noch einmal 1 Tick. Zusammen 2 Ticks oder 10 Dollar pro Trade. Der Gewinner wird um 2 Ticks kleiner, der Verlierer um 2 Ticks größer.

Die nötige Trefferquote wird dann zu (Stop in Ticks + Kosten) ÷ (Ziel in Ticks + Stop in Ticks).

Szenario (CRV 2)Stop / ZielNetto-CRVNötige Trefferquote
Scalp8 / 16 Ticks14 ÷ 10 = 1,4041,7 % statt 33,3 %
Intraday32 / 64 Ticks62 ÷ 34 = 1,8235,4 % statt 33,3 %
Weiter Stop80 / 160 Ticks158 ÷ 82 = 1,9334,2 % statt 33,3 %

Auf dem Papier haben alle drei dasselbe CRV. Beim Scalp mit 2 Punkten Stop steigt die nötige Trefferquote aber um 8,3 Prozentpunkte, beim weiten Stop nur um 0,8. Je enger der Stop, desto größer der Anteil der Kosten am Risiko. Genau deshalb steht die Rechnung beim Scalping gegen dich, wie der Ratgeber Was ist Scalping ausführlich zeigt. Spread und Kommission gibt es übrigens auch in BullHero auf jeden Trade, sodass deine Übungsergebnisse diese Rechnung schon enthalten.

Warum ein CRV von 3:1 nicht automatisch besser ist

Ein weiteres Ziel klingt nach mehr Gewinn. Es verändert aber drei Dinge gleichzeitig.

Die Trefferquote fällt

In einem Markt ohne Vorteil, also einem reinen Zufallspfad, erreicht der Kurs ein Ziel in dreifacher Stopweite vor dem Stop in etwa 25 Prozent der Fälle. Das ist das klassische Ruinproblem der Wahrscheinlichkeitsrechnung, und 25 Prozent ist genau die Break-even-Quote für CRV 3. Ohne echten Vorteil im Setup erzeugt also kein CRV einen Gewinn, und nach Kosten ist das Ergebnis negativ. Den Vorteil muss das Setup liefern, nicht das Verhältnis.

Die Haltedauer steigt

Ein Ziel, das dreimal so weit entfernt ist, braucht meist länger. Länger im Markt heißt: mehr angekündigte Daten, mehr Rücksetzer, mehr Gelegenheiten, den Trade aus Nervosität zu früh zu schließen. Dann hast du die niedrige Trefferquote eines CRV 3, aber die kleinen Gewinne eines CRV 1.

Die Verlustserien werden länger

Rechnet man Zufallsfolgen mit fester Trefferquote durch, liegt die längste Verlustserie über 200 Trades bei 25 Prozent Trefferquote typischerweise bei 13 bis 15 Verlusten in Folge. Bei 50 Prozent sind es etwa 7. Fünfzehn Verluste hintereinander muss man aushalten können, finanziell und im Kopf.

Ein Beispiel aus einem Tagebuch, rein zur Veranschaulichung: Dasselbe Setup mit Ziel bei 1,5 R trifft in 52 Prozent der Fälle, Erwartungswert 0,52 × 1,5 - 0,48 = +0,30 R. Mit Ziel bei 3 R trifft es nur noch in 24 Prozent, Erwartungswert 0,72 - 0,76 = -0,04 R. Das „bessere“ CRV ist hier das schlechtere System.

Dein echtes CRV aus dem Tagebuch messen

Das geplante CRV steht in deinem Kopf. Das echte entsteht, wenn du zu früh schließt, Stops verschiebst oder Slippage bekommst. So misst du es:

  1. Nimm mindestens 30, besser 50 Trades desselben Setups, jeweils mit Ergebnis in R und nach Kosten.
  2. Berechne den Durchschnittsgewinner in R und den Durchschnittsverlierer in R.
  3. Echtes CRV = Durchschnittsgewinner ÷ Durchschnittsverlierer (ohne Minuszeichen).
  4. Berechne die Trefferquote: Gewinner ÷ alle Trades.
  5. Erwartungswert = Trefferquote × Durchschnittsgewinner - Verlustquote × Durchschnittsverlierer.
  6. Vergleiche mit dem Plan und such die Abweichung.

Ein Beispiel: Geplant ist CRV 2. Das Tagebuch zeigt einen Durchschnittsgewinner von +1,3 R und einen Durchschnittsverlierer von -1,1 R. Echtes CRV: 1,3 ÷ 1,1 = 1,18. Nötig wären jetzt 1,1 ÷ 2,4 = 45,8 Prozent Treffer, du hast 42 Prozent. Erwartungswert: 0,42 × 1,3 - 0,58 × 1,1 = -0,09 R. Die Diagnose ist doppelt: Gewinne werden zu früh mitgenommen, und Verluste sind größer als 1 R, also wird der Stop verschoben. Welche Felder du dafür brauchst, zeigt der Artikel zum Trading Tagebuch.

BullHero-Runde im ROOKIE-Raum mit NQ-Kerzen, offener Long-Position über 2 Kontrakte im Gewinn, Kauf- und Verkaufsticket und Live-Rangliste der Rivalen
Eine offene Position im Gewinn ist der Moment, in dem das echte CRV entsteht: halten bis zum Ziel oder zu früh schließen.

Das echte CRV entscheidet sich beim Ausstieg. Leg in BullHero vor jedem Einstieg Stop und Ziel fest, notiere das Ergebnis in R und prüf nach zehn Runden, ob dein Durchschnittsgewinner dem geplanten CRV nahekommt.

CRV im Spiel testen

Häufige Fragen

Was ist ein gutes CRV im Trading?

Ein CRV ist gut, wenn es zusammen mit deiner echten Trefferquote nach Kosten einen positiven Erwartungswert ergibt. Ein CRV von 1,2 mit 55 Prozent Treffern schlägt ein CRV von 3 mit 22 Prozent. Die oft genannte Mindestgröße von 2 ist eine Faustregel für Setups mit mittlerer Trefferquote, kein Gesetz. Entscheidend ist, was dein Tagebuch über 50 oder mehr Trades zeigt.

Wie berechne ich das CRV in Excel?

Für einen Long: =(Ziel-Einstieg)/(Einstieg-Stop), für einen Short: =(Einstieg-Ziel)/(Stop-Einstieg). Für das echte CRV nimmst du stattdessen den Mittelwert aller Gewinne in R und teilst ihn durch den Betrag des Mittelwerts aller Verluste in R, etwa mit MITTELWERTWENN. Ziehe Kosten vorher ab, sonst rechnest du dir das System schön.

Darf ich das Kursziel während des Trades verschieben?

Nur nach einer Regel, die vor dem Einstieg feststand, etwa „Ziel an das nächste Tageshoch, wenn der Kurs über dem VWAP schließt“. Spontane Verschiebungen verändern dein CRV unkontrolliert und machen die Statistik im Tagebuch wertlos. Vermerke jede Verschiebung als eigenes Feld, damit du später siehst, ob sie dir genützt oder geschadet hat.

Wie verändern Teilgewinnmitnahmen das CRV?

Schließt du bei 2 Kontrakten den ersten bei 1 R und den zweiten bei 3 R, bringt der Trade im besten Fall 2 R, nicht 3. Wird der zweite Kontrakt nach dem Nachziehen auf Einstand ausgestoppt, bleiben 0,5 R. Teilgewinne erhöhen die Trefferquote und senken das durchschnittliche CRV. Ob sich das für dich lohnt, zeigt nur dein Tagebuch, getrennt nach beiden Varianten.

Dieser Artikel dient der Bildung und ist keine Anlageberatung. BullHero ist ein Trading-Spiel mit Spielgeld und Kursen aus einem mathematischen Modell, kein Broker.

Quellen

  • Feller, W., An Introduction to Probability Theory and Its Applications, Band 1, 1950
  • CME Group, Micro E-mini Nasdaq-100 Futures: Contract Specifications, 2019
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