Veröffentlicht am 6. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit
Trading Tagebuch führen: acht Felder und eine Auswertung, die wirkt
Acht Felder, die in unter einer Minute ausgefüllt sind, eine Tabelle zum Kopieren und eine Auswertung pro Woche, die genau ein Leck findet. Auch für Übungsrunden und Turniere.
Ein Trading Tagebuch hält zu jedem Trade fest, warum du eingestiegen bist und wie: Setup, Einstiegsgrund, Stop, Positionsgröße, Ergebnis in R, Emotion von 1 bis 5, gebrochene Regel und Screenshot. Es verändert deine Ergebnisse nur, wenn du es auswertest: einmal pro Woche, 20 Minuten, mit dem Ziel, ein einziges Leck zu finden und mit einer Regel zu schließen. Hier bekommst du die Felder, eine Vorlage und die Auswertung Schritt für Schritt.
Kurz gesagt
- Acht Felder reichen. Mehr füllt nach drei Wochen niemand mehr aus.
- Rechne in R statt in Dollar, sonst überdeckt ein großer Tag alle anderen.
- Pro Woche ein Leck, eine neue Regel, eine Zahl zum Prüfen.
- Übungsrunden gehören auch hinein, in einer eigenen Spalte für die Umgebung.
Wozu ein Trading Tagebuch, wenn der Broker alles speichert?
Der Kontoauszug sagt dir, was passiert ist. Das Tagebuch sagt dir, warum. Ein Beispiel: Du hast an zwei Tagen je 150 Dollar verdient. Am Montag hast du einen Long am Vortageshoch nach Plan gehandelt, Stop sofort gesetzt, Ziel erreicht. Am Mittwoch bist du ohne Setup eingestiegen, hast den Stop zweimal nach unten gezogen und wurdest von einer Erholung gerettet. Im Kontoauszug sehen beide Tage gleich aus. Im Tagebuch ist der zweite ein Regelbruch mit Glück, und genau der wird dich irgendwann ein Vielfaches kosten.
Die meisten Tagebücher sterben an zu vielen Spalten oder daran, dass sie nie jemand liest. Die Lösung: wenig eintragen, regelmäßig auswerten. Wenn du gerade anfängst, ist das die Gewohnheit, die vor jeder Strategie kommt. Sie steht deshalb früh im Fahrplan Trading lernen von null.
Was gehört in ein Trading Tagebuch? Die acht Felder
Jedes Feld beantwortet eine Frage, die du dir bei der Auswertung stellen wirst.
- Setup: der Name aus einer festen Liste von drei bis fünf Mustern, etwa „Ausbruch Opening Range“, „Abpraller am VWAP“, „Sweep über das Hoch“. Heißt jeder Trade anders, kannst du nichts gruppieren.
- Einstiegsgrund: ein Satz, geschrieben beim Einstieg, über das, was du gesehen hast. „Sah stark aus“ zählt nicht.
- Stop: der genaue Kurs und ob er beim Einstieg stand oder erst danach.
- Größe: Kontrakte und Dollar bis zum Stop. Dieser Betrag ist dein 1 R.
- R-Vielfaches: Nettoergebnis geteilt durch 1 R.
- Emotion 1 bis 5: 1 ruhig und nach Plan, 2 leicht angespannt, 3 nervös, aber kontrolliert, 4 ungeduldig oder gierig, 5 wütend oder auf Revanche aus.
- Regel gebrochen: ja oder nein, und welche. Das lehrreichste Feld.
- Screenshot: der Chart beim Ausstieg, mit Einstieg und Stop markiert.
So rechnest du das R-Vielfache
Du gehst 1 NQ short bei 20.150,00, Stop bei 20.162,50. Das sind 12,5 Punkte oder 50 Ticks, also 12,5 × 20 = 250 Dollar Risiko. Das ist 1 R. Du schließt bei 20.118,75 und verdienst 31,25 Punkte × 20 = 625 Dollar brutto. Nimm als Beispiel 4 Dollar Kommission pro Round Turn an (der echte Wert hängt von deinem Broker ab): 621 ÷ 250 = +2,5 R, gerundet.
Gleicher Einstieg, aber du schiebst den Stop hoch, als der Kurs näher kommt, und steigst bei 20.175,00 aus: 25 Punkte × 20 = 500 Dollar plus 4 Dollar Kommission, also -2,0 R. Ein Verlust deutlich größer als 1 R heißt fast immer, dass du den Stop verschoben oder nicht gesetzt hast. Seltene Ausnahme ist echte Slippage bei einer Nachricht. Das Tagebuch zeigt es dir, auch wenn du es nicht sehen willst.
In R kannst du einen Trade mit einem Kontrakt neben einen mit vier stellen. Die Größe leitest du aus dem Stop ab, wie es der Ratgeber Risikomanagement für Anfänger beschreibt. Im Tagebuch prüfst du, ob du dich daran gehalten hast.
Trading Tagebuch Vorlage zum Kopieren
Übernimm die erste Spalte als Kopfzeile in Excel, Google Tabellen oder LibreOffice, eine Zeile pro Trade. Die dritte Spalte zeigt den Gewinn-Trade von oben.
| Feld | Was du einträgst | Beispiel |
|---|---|---|
| Datum und Uhrzeit | Tag und Minute des Einstiegs | 14.10., 15:47 |
| Umgebung | Echt, Demo oder Spiel | Demo |
| Setup | Name aus deiner festen Liste | Sweep über das Hoch |
| Einstiegsgrund | Ein Satz zum Gesehenen | Docht über Vortageshoch, Schluss darunter |
| Richtung | +1 für Long, -1 für Short | -1 |
| Einstieg, Stop, Ausstieg | Drei Kurse | 20.150,00 / 20.162,50 / 20.118,75 |
| Kontrakte und 1 R | Anzahl und Dollar bis zum Stop | 1 NQ, 250 Dollar |
| Ergebnis in R | Netto geteilt durch 1 R | +2,5 R |
| Emotion (1 bis 5) | Zustand beim Einstieg | 2 |
| Regel gebrochen | Ja oder nein, und welche | Nein |
| Screenshot | Dateiname | 1014-01.png |
Mit der Spalte Richtung rechnet die Tabelle selbst. Das Bruttoergebnis in Dollar ist (Ausstieg - Einstieg) × Richtung × Punktwert × Kontrakte, mit Punktwert 20 für NQ und 2 für MNQ. Kommission abziehen, durch 1 R teilen, fertig. Die Spalte Umgebung ist wichtiger, als sie aussieht: Wer echte, Demo- und Spiel-Trades in einer Summe mischt, belügt sich in beide Richtungen. Filtere vor jeder Auswertung danach.
Trading Tagebuch auswerten: das eine Leck pro Woche
20 Minuten, immer am selben Tag, bei geschlossenem Markt. Am Ende steht eine neue Regel, kein Gefühl.
- Filtere nach Umgebung und summiere die Woche in R.
- Trenne Trades mit gebrochener Regel von sauberen Trades und summiere beide Gruppen.
- Gruppiere die sauberen Trades nach Setup: Anzahl und Durchschnitt in R.
- Gruppiere alle Trades nach Uhrzeit, etwa erste 15 Minuten, bis Minute 60, danach.
- Leg die Emotion daneben: Schnitt in R bei Emotion 1 oder 2 gegen 4 oder 5.
- Wähl das Leck, das am meisten R gekostet hat. Nur eines.
- Formuliere eine Regel, die du in der nächsten Woche mit dem Tagebuch selbst prüfen kannst.
Ein Beispiel mit Zahlen
| Zeitfenster nach Eröffnung | Trades | Summe R | Schnitt R |
|---|---|---|---|
| Minute 0 bis 15 | 9 | -5,4 R | -0,60 R |
| Minute 15 bis 60 | 12 | +3,6 R | +0,30 R |
| Nach Minute 60 | 4 | -0,8 R | -0,20 R |
| Ganze Woche | 25 | -2,6 R | -0,10 R |
Die Woche ist negativ, aber die Mitte der Sitzung verdient. Das Leck sind die ersten 15 Minuten: Sieben der neun Trades dort tragen Emotion 4, meist mit dem Vermerk „Angst, die Bewegung zu verpassen“. Die Regel für nächste Woche: kein Einstieg vor Minute 15. Die Prüfzahl am nächsten Sonntag: Trades vor Minute 15, Ziel null. Ob das Setup in der Mitte wirklich trägt, sagen dir zwölf Trades noch nicht. Dafür brauchst du 20 bis 30 pro Setup. Dass du in der ersten Viertelstunde gegen deine eigenen Regeln handelst, siehst du dagegen sofort.
Trading Tagebuch führen: die häufigsten Fehler
- Abends aus dem Gedächtnis nachtragen. Mit dem Ergebnis vor Augen schreibst du Einstiegsgrund und Emotion um. Die Psychologie nennt das Rückschaufehler, beschrieben unter anderem von Baruch Fischhoff 1975. Trag direkt nach dem Ausstieg ein, notfalls in einer Notiz am Handy.
- Nur die Verlierer notieren. Ohne die Gewinner weißt du nicht, welches Setup trägt.
- Setups nach fünf Trades beurteilen. Unter 20 Trades pro Setup ist der Schnitt in R weitgehend Zufall.
- Drei Regeln auf einmal ändern. Wird die Woche besser, weißt du nicht, warum.
- Auswerten ohne Entscheidung. Eine Auswertung ohne neue schriftliche Regel war Lektüre.
- Die Zahl der Trades übersehen. Sind deine schlechtesten Tage die mit den meisten Trades, ist Overtrading das Leck. Barber und Odean zeigten 2000 an Zehntausenden US-Haushalten, dass die aktivsten Anleger netto deutlich schlechter abschnitten.
Ein Fehler wird erst mit Daten sichtbar: die Asymmetrie. Liegt dein Durchschnittsgewinner bei +0,8 R und dein Durchschnittsverlierer bei -1,2 R, brauchst du eine Trefferquote von 60 Prozent, nur um bei null zu landen (1,2 ÷ 2,0). Gewinne früh mitnehmen und Verluste laufen lassen ist so verbreitet, dass es einen Namen hat: Dispositionseffekt, beschrieben von Shefrin und Statman 1985. Warum das mit eigenem Geld schwerer zu korrigieren ist, erklärt der Ratgeber Trading-Psychologie: warum du live scheiterst.
Übungsrunden im Trading Tagebuch: jede Turnierrunde ist ein Datenpunkt
Üben liefert Daten schneller als der echte Markt, und ohne Kosten. Ein BullHero-Turnier hat bis zu vier Runden von 2:30 oder 3:00 Minuten. Zehn Turniere pro Woche ergeben also bis zu 40 Zeilen. Behandle jede Runde wie einen Trade:
- Raum und Runde: etwa ROOKIE, Runde 2 von 4.
- 1 R: ein fester Bruchteil des Verlustlimits pro Runde. Im ROOKIE-Raum liegt es bei 1.000 Spieldollar, mit einem Viertel ist 1 R gleich 250. Im PRO-Raum mit 1.500 Spieldollar wären es 375.
- Trades: wie viele, und wie viele davon mit Stop ab der ersten Sekunde.
- Emotion und Regelbruch: die Emotion zu Rundenbeginn, den Regelbruch nach Rundenende.

Werte die Spiel-Zeilen mit denselben sieben Schritten aus, aber getrennt. Taucht ein Leck im Spiel auf, etwa Einstiege in den ersten Sekunden der Runde mit Emotion 4, findest du es mit echtem Geld wahrscheinlich wieder, und stärker. Dort zu korrigieren, wo es nichts kostet, ist billiger. Welche anderen Werkzeuge sich mit dem Tagebuch kombinieren lassen, steht in unserem Überblick Trading lernen per App.
Jede Runde ist eine Zeile in deinem Tagebuch. Spiel ein Turnier in BullHero, trag jede Runde ein, während die Rangliste läuft, und nach einer Woche hast du genug Daten für deine erste Auswertung.
Turnier startenHäufige Fragen
Gibt es eine kostenlose Vorlage für ein Trading Tagebuch?
Die Tabelle oben ist eine. Kopiere die Feldnamen als Kopfzeile in Excel, Google Tabellen oder LibreOffice und ergänze eine Formelspalte für das Ergebnis in R. Bezahlte Journal-Apps importieren Trades automatisch vom Broker, was Zeit spart. Einstiegsgrund, Emotion und Regelbruch musst du aber auch dort selbst eintragen, und genau diese Felder bringen am meisten.
Wie viel Zeit kostet ein Trading Tagebuch pro Tag?
Mit acht Feldern unter einer Minute pro Trade. Bei sechs Trades am Tag sind das fünf bis sechs Minuten, plus 20 Minuten Auswertung pro Woche. Dauert der Eintrag länger, hast du zu viele Felder oder schreibst Romane in den Einstiegsgrund. Ein Satz reicht. Wer mehr Zeit braucht, handelt meist zu oft, und das ist dann bereits der erste Befund.
Muss ich jeden einzelnen Scalp eintragen?
Ja, gerade die. Kurze Trades mit kleinem Ergebnis fühlen sich unwichtig an, summieren sich aber über Spread und Kommission. Wer nur die großen Trades notiert, sieht die Kosten der vielen kleinen nie. Wird dir das Eintragen zu viel, ist das ein Signal: Begrenze die Trades pro Sitzung, statt Zeilen wegzulassen.
Hilft ein Trading Tagebuch auch bei Aktien oder ETFs?
Ja, mit angepassten Feldern. Bei längeren Haltedauern ersetzt du das Setup durch die Kaufthese, den Stop durch die Bedingung, unter der du verkaufst, und die Emotion misst du beim Kauf und bei jeder Nachkaufentscheidung. Die Wochenauswertung wird zur Monatsauswertung. Das Prinzip bleibt: festhalten, warum, und später prüfen, ob die Begründung trug.
Dieser Artikel dient nur der Bildung und ist keine Anlageberatung. BullHero ist ein Spiel mit Spielgeld, dessen Kurse aus einem mathematischen Modell stammen, weder Broker noch Zugang zu echten Märkten.
Quellen
- Shefrin, H. und Statman, M., The Disposition to Sell Winners Too Early and Ride Losers Too Long: Theory and Evidence, The Journal of Finance, 1985
- Fischhoff, B., Hindsight is not equal to foresight: The effect of outcome knowledge on judgment under uncertainty, Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 1975
- Barber, B. M. und Odean, T., Trading Is Hazardous to Your Wealth, The Journal of Finance, 2000
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